der Kammweg beginnt an der Saale
Kammweg Vogtland Erzgebirge
der Kammweg ist vorbildlich ausgeschildert
Wo: Thüringen und Sachsen
Start: Geising
Ende: Blankenstein
Etappen: 17
Länge: 285 km
Offizielle Webseite: www.erzgebirge-tourismus.de
(hier gibt es unter dem Stichwort „Bahnerlebnis“ auch Informationen zu den Schmalspurbahnen wie z.b. der Preßnitztalbahn)
ÖPNV: www.rve.de
Offizielle Etappeneinteilung:
- Geising – Holzau, 24,6 km, 8 Std.
- Holzau – Sayda, 12,3 km
- Sayda – Seiffen, 9,8 km
- Seiffen – Olbernhau, 11,2 km
- Olbernhau – Kühnhaide, 20,8 km, 6 Std.
- Kühnhaide – Satzung, 14 km, 4 Std.
- Satzung – Bärenstein, 22,5 km, 7 Std.
- Bärenstein – Oberwiesenthal, 18 km, 6:30 Std.
- Oberwiesenthal – Rittersgrün, 13,9 km, 4 Std.
- Rittersgrün – Johanngeorgenstadt, 9,9 km, 3 Std.
- Johanngeorgenstadt – Weiterglashütte, 20 km, 5:30 Std
- Weiterglashütte – Mühlleiten, 14,1 km, 4 Std
- Mühlleiten – Schöneck, 15,1 km, 4:30 Std.
- Schöneck – Eichigt bzw. Adorf, 25,1 km, 6:20 Std.
- Eichigt bzw. Adorf – Burgsteingebiet, 20,8 km, 6 Std.
- Burgsteingebiet - Hirschberg, 23 km, 6:30 Std.
- Hirschberg – Blankenstein, 13,8 km, 4 Std.
Der Kammweg Vogtland Erzgebirge führt, wie der Name schon sagt, über die gleichnamigen Berg- und Hügelkämme, und rund 6.000 Höhenmeter sind dabei zu bewältigen. Gleichzeitig ist er vor allem auch ein Grenzweg. Oft läuft man direkt an den Grenzmarkierungen zwischen Deutschland und Tschechien entlang. Ab und zu queren länderübergreifende Wander- und Radfernwege den Kammweg. Auf den letzten Etappen wandert man auf dem Grünen Band entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze.
Im Netz wird der Kammweg nicht immer positiv beurteilt. So bin ich mit einer gewissen Portion Skepsis angereist. Hauptkritikpunkt sind die vielen breiten Forst- und Schotterwege. Auch der hohe Anteil Nadelwald gefällt nicht jedem.
Wir sind jedoch mit einem durchweg schönen Eindruck nach Hause gefahren. Ja, die Forstwege dominieren – aber es gibt auf ihnen viel Interessantes zu entdecken. Informationstafeln erläutern allerorten Naturkundliches und Historisches, viele Zeugnisse aus früheren Zeiten finden sich am Weg. Ja, man wandert oft durch Fichtenwald. Aber es gibt keine großflächigen Borkenkäferschäden wie anderswo und der Bewuchs ist nicht so dicht, als dass am Boden nichts mehr wachsen kann. Lichtspiele auf dem moosbewachsenen Grund, intensiv riechende Pilze, elegant wuchernde Farne, malerisch drapierte Flechten, plätschernde Bachläufe und eine wunderbar würzige Luft – wer mit all seinen Sinnen unterwegs ist, findet immer etwas Bemerkenswertes. Immer wieder kommt man auch zur Abwechslung durch Laubwaldgebiete, und häufig führt der Weg an schönen Aussichten vorbei; nicht nur von den zahlreichen Gipfeln reicht der Blick weit ins Land.
Der Kammweg ist hervorragend ausgeschildert, ebenso andere Fernwanderwege, wie der EB oder der WDE, die teils parallel, teils auf einer leicht abweichenden Route verlaufen. So kann man je nach Tagesform auch spontan eine Variante nehmen. Vorbildlich sind auch die vielen überdachten Rastplätze und Schutzhütten. Manche Hütten waren liebevoll dekoriert und es lag ein Gästebuch aus.
Die Wanderregion ist beliebt und das macht sich auch an der Infrastruktur bemerkbar. Unterwegs gibt es fast immer Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten, wenn man als Streckenwanderer auch die Ruhetage im Blick haben sollte. Allerdings scheinen Ferienwohnungen in der Überzahl zu sein, so dass es an manchen Etappenzielen zu Engpässen kommen könnte (die Hirtsteinbaude hat z.B. nur 5 Zimmer). Gastfreundlichkeit wird groß geschrieben, in den Hotels und Bauden, aber auch in den kleineren Betrieben an der Strecke – an manchen Abenden sah es so aus, als müssten wir mit unseren Müsliriegeln vorlieb nehmen, weil wir in einer Pension übernachten und es im Ort kein (offenes) Restaurant gab. Und da machten sich unsere Gastgeber die Mühe, für uns ein kleines Abendessen herzurichten!
Wir waren in den sächsischen Herbstferien unterwegs und trafen wahrscheinlich auch deswegen viele Touristen und Wanderer, unter anderem viele Familien mit Kindern, für die die Region gute Angebote (z.b. Entdeckertouren im Wald) vorhält. Die meisten, denen wir begegneten, machten eine Tagestour oder einen Spaziergang, aber wir trafen auch mehrere Kammwanderer, die allerdings nicht den gesamten Weg am Stück gingen wie wir, sondern nur für ein paar Tage unterwegs waren.
Was unsere Wanderung neben der schönen Natur und den zahlreichen geschichtlichen Sehenswürdigkeiten so besonders gemacht hat, waren die vielen Gespräche unterwegs. Wir erlebten die Menschen als sehr offen und immer bereit für einen kleinen Austausch. Teilweise hatten diese Menschen die Zeit der Teilung und der Grenzzäune noch selbst erlebt. Solche Gespräche über persönliche Erfahrungen haben unsere Wanderung enorm bereichert und wir waren sehr dankbar dafür.
Unsere Etappeneinteilung:
Wir sind den Kammweg von West nach Ost gegangen. Im Nachhinein würde ich sagen, dass das eine gute Entscheidung war, denn so wandert man von relativ flachen, überwiegend landwirtschaftlich geprägten Gegenden hinauf auf die höchsten Berge des Erzgebirges (Abgesehen vom ersten Wandertag mit den letzten Anhöhen des Thüringer Schiefergebirges – die Anstiege von Blankenstein nach Blankenberg und dann nach Pottiga sind enorm steil. Gut, dass ich diesen Wandertag andersherum gegangen bin). Die letzte Etappe bietet dann mit Kahleberg und Geisingberg noch einmal Panoramen vom Feinsten. Gefühlt sind die Anstiege in West-Ostrichtung mehrheitlich nicht ganz so steil wie andersherum, auch wenn so insgesamt 100 Höhenmeter (von etwas mehr als 6.000 insgesamt) mehr zu Buche schlagen.
Von Blankenstein bis Gettengrün war ich (alleine) auf dem Grünen Band statt auf dem Kammweg unterwegs (der Kammweg folgt teilweise sowieso dem Grünen Band), da es zwischen Hirschberg und Adorf so gut wie keine günstig gelegenen Unterkünfte gibt, und sich für diesen Abschnitt die bayrische Stadt Hof wegen der öffentlichen Verkehrsanbindung ans Grüne Band als idealer Standort anbietet.
Nach Blankenstein (bzw. das bayrische Unterreichenbach) und Mödlareuth fahren reguläre Busse, Gutenfürst ist (eher schlecht) mit einen Zug angebunden. Über die Hofer Landbus App kann man sich ein fahrplanunabhängiges Ruftaxi buchen (kostet 3€), das entlegene Orte im Landkreis Hof bedient, so auch die bayrischen Grenzorte am Grünen Band.
Ich habe mir die Strecke in vier Etappen aufgeteilt, weil ich mir Mödlareuth und das deutsch-deutsche Museum (www.moedlareuth.de) genau anschauen wollte. Gut machbar sind aber auch drei Etappen: Blankenstein – Mödlareuth – Ullitz – Adorf. Bei Pabstleithen endet (bzw. beginnt) das Grüne Band, ein naturnaher Radweg führt weiter nach Ebmath, dann ist man bis Gettengrün für 2 km auf die Straße angewiesen. In Gettengrün erreicht man wieder den Kammweg und wandert weiter nach Adorf.
- Blankenstein – Mödlareuth, 23,8 km, 6:30 Std.
- Mödlareuth – Gutenfürst, 9 km, 2:30 Std.
- Gutenfürst – Ullitz – Nentschau, 24,7 km, 6:40 Std.
- Nentschau – Adorf, 17,8 km, 4:40 Std.
- Adorf – Muldenberg, 18,1 km, 5 Std.
- Muldenberg – Weiterglashütte, 23,1 km, 6:30 Std.
- Weiterglashütte – Johanngeorgenstadt bzw. Erlabrunn, 19,1 km, 5:40 Std.
- Johanngeorgenstadt – Sachsenbaude (Fichtelberg), 22,7 km, 6:30 Std.
- Sachsenbaude – Berghotel Bärenstein, 18,2 km, 5:15 Std.
- Bärenstein – Hirtsteinbaude (Satzung), 23,3 km, 6:45 Std.
- Hirtstein – Rübenau, 23,6 km, 6:20 Std.
- Rübenau – Saigerhütte (Olbernhau-Grünthal), 12,7 km, 3:30 Std.
- Saigerhütte – Neuhausen, 15,3 km, 4:45 Std.
- Neuhausen – Neuhermsdorf, 22,1 km, 6:15 Std.
- Neuhermsdorf – Geising, 18 km, 5 Std.
Insgesamt hatte ich drei Wochen Wanderzeit eingeplant. So konnte ich die von uns aus etwas umständliche Anfahrt nach Blankenstein in Lichtenfels für die Gottesgartenrunde Süd unterbrechen (Lichtenfels – Blankenstein, Zug 2:28 Std. oder Lichtenfels – Hof, Zug 1:33 Std.).
In Adorf habe ich den Kammweg unterbrochen und bin über Plauen nach Greiz gefahren. In Adorf lohnt der Besuch des Erlebnismuseums Perlmutter (www.perlmuttermuseum.de). Auch Plauen ist einen Aufenthalt wert. Hier gibt es mehrere interessante Museen, z.b. die Galerie e.o. plauen (bekannt durch die Vater und Sohn Geschichten; in Gettengrün am Kammweg steht sein Geburtshaus) im Gebäude des Vogtlandmuseums. Für die Besichtigung der Fabrik der Fäden (Industriemuseum zur Herstellung der Plauener Spitze) hat die Zeit leider nicht mehr gereicht. Mehr Infos unter www.plauen.de. Auch die Rolle, die Plauen bei der friedlichen Revolution 1989 gespielt hat, ist interessant.
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