der Camino incluso führt auf aussichtsreicher Strecke durch den Odenwald 

 

Camino Incluso

 

Wo: Hessen und Baden-Württemberg

Start: Bensheim-Auerbach Bahnhof

Ende: Jesuitenkirche in Heidelberg

Etappen: 6

Länge: ca. 84 km

Webseite: www.caminoincluso.de

ÖPNV: der Start in Bensheim-Auerbach liegt an der Regionalbahnstrecke zwischen Heidelberg und Frankfurt; von der Jesuitenkirche am Ende fahren Busse vom nahegelegenen Universitätsplatz Richtung Bahnhof Heidelberg. Die jeweiligen Etappenenden werden – nicht immer sehr häufig – von verschiedenen Buslinien bedient.   

 

immer dem gelben Pilgersäckchen folgen...

 

Offiziell wird der Camino Incluso in 6 Etappen eingeteilt:

Bensheim-Auerbach – Beedenkirchen, 11 km

Beedenkirchen – Winterkasten, 12 km

Winterkasten – Hammelbach, 14,5 km

Hammelbach - Siedelsbrunn, 13,5 km

Siedelsbrunn – Kohlhof, 14 km

Kohlhof – Heidelberg, Jesuitenkirche, 18 km

Durch den Odenwald führen viele schöne Wanderwege, doch der Camino Incluso ist noch einmal ganz anders und ganz besonders. Kein Wanderverein oder Touristiker hat ihn sich ausgedacht, er ist aus einem Schülerprojekt entstanden, das inzwischen mehrfach preisgekrönt wurde, zuletzt auf der CMT 2026 mit dem „Goldenen Rollstuhl“ für herausragende Angebote im barrierefreien Tourismus.

Schüler*innen und Lehrer*innen der sonderpädagogischen Stephen-Hawking-Schule in Neckargemünd haben ihn gemeinsam entwickelt und betreuen ihn weiterhin. Es ist eine Freude, auf der Webseite des Weges nachzulesen, wie der Weg von der Idee zur Realisierung gebracht wurde und mit wieviel Detailreichtum die Schüler*innen ihn ausgestaltet haben. Diese Freude überträgt sich auf die Wandernden, wenn sie z.B. die nächste Stempelstelle finden, den schön gestalteten Stempel in den Pilgerpass drücken und sich im Faltblatt in leichter Sprache über die Sehenswürdigkeit informieren. Ein Gästebuch mit persönlicher Einleitung liegt ebenfalls in jeder Stempelstelle aus.

Der Camino Incluso ist als Pilgerweg konzipiert und dient als Zubringer zum badischen und pfälzischen Jakobsweg. Wer sich bei der Schule anmeldet - und das machen rund 300 bis 400 Menschen und Gruppen im Jahr - , bekommt den Pilgerpass und einen Lederanhänger in Form eines Pilgersäckchens – dem Wanderzeichen des Weges - für den Rucksack. Am Ende wird in der Jesuitenkirche bei einem persönlichen Empfang die Compostela, die Pilgerurkunde ausgehändigt.

Ziel ist die Jesuitenkirche in Heidelberg (das ist die Kirche rechts im Bild)

 

Der Camino ist inklusiv, weil er die Bedürfnisse aller Menschen mitberücksichtigt. Liebevoll handgezeichnete Karten und Symbole zeigen den Weg samt Steigung für Rollstuhl- und Handbikefahrende. Die Wegbeschreibungen kann man sich auch vorlesen lassen oder in einfacher Sprache lesen. Von Packliste über Unterkunftsmöglichkeiten – über jede auftauchende Frage haben sich die Schüler*innen Gedanken gemacht und auf der Webseite dokumentiert.   

Der Camino ist interreligiös, weil er an Kraftorten, Kirchen, einem buddhistischen Kloster und Stätten unterschiedlicher Glaubensrichtungen vorbeiführt, und international, weil er teilweise auf den grenzüberschreitenden europäischen Fernwanderwegen E1 und E8 verläuft.

Im Mai 2026 hatte die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft zur „May 50K Challenge“ (mindestens 50 km mit Fahrrad, laufend, wandernd oder im Rolli zurücklegen) aufgerufen, um Spenden für die Forschung einzuwerben.

Zusammen mit einer ebenfalls von MS betroffenen Kollegin habe ich mich erst bei der Challenge angemeldet und dann beim Camino, der durch seinen inklusiven Charakter perfekt zur Challenge passte.

Der Camino verläuft durchgängig auf breiten Wegen – logisch, sonst hätte man ja mit dem Rollstuhl gar keine Chance – aber das muss kein Nachteil sein. Denn er weist für Sportliche immer noch genügend Steigungen auf (fast 1.800 Höhenmeter auf 84 km), um auf den sonnigen Wegen tüchtig ins Schwitzen zu kommen. Und alle anderen erfreuen sich daran, dass es ständig etwas zu entdecken gibt – Kunstwerke, Naturschönheiten, kleine Ortschaften, Kirchen, Kapellen, Klöster, Museen, Aussichtstürme (insbesondere der neue Trommturm ist spektakulär) …die Wegeführung punktet mit großem Abwechslungsreichtum. Auf mehreren Streckenvarianten kann man den Camino, je nach Lust und Laune, noch verlängern. Unterwegs finden sich reichlich Einkehrmöglichkeiten, vom guten Restaurant bis zum Biergarten und Naturfreundehaus ist alles dabei. Wer sich viel Zeit nimmt, kann die Sommerrodelbahn (www.erlebnishoehe-wald-michelbach.de) an der Kreidacher Höhe oder die Draisinenbahn zwischen Mörlenbach und Wald-Michelbach (www.solardraisine-ueberwaldbahn.de) in den Weg einbauen.

Wir hatten nicht ganz so viel Zeit und sind insgesamt 81 km an vier Tagen gewandert. Durch die ÖPNV-Anbindung konnten wir den Camino von einem festen Standort aus angehen. Hier bietet sich Weinheim an – und ich empfehle, dort unbedingt den Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof (www.sichtungsgarten-hermannshof.de) zu besuchen. Andererseits finden sich auf der webseite des Camino auch viele Unterkunftsvorschläge, die teils auch ungewöhnlich sind (so kann man z.B. im buddhistischen Kloster oder im Natrufreundehaus übernachten).

Unsere Etappeneinteilung:

Bensheim-Auerbach Bahnhof – Lindenfels-Winterkasten, Haltestelle Oberdorf, 23 km (Linie 665 nach Bensheim, mit dem Zug weiter nach Weinheim)

Winterkasten – Wald-Michelbach Kreidacher Höhe, 27 km, Bus 681 nach Weinheim

Kreidacher Höhe – Wilhelmsfeld Wilhelmshöhe, 20 km, Bus 628 nach Schriesheim, mit der Straßenbahn 5 weiter nach Weinheim

Wilhelmsfeld – Heidelberg Jesuitenkirche, 15 km (hier fahren von verschiedenen Haltestellen in der Innenstadt Busse zum Bismarckplatz oder zum Hauptbahnhof, Umstieg in Straßenbahn 5 nach Weinheim oder Heimreise)

 

Etappe 1: Bensheim-Auerbach - Lindenfels Winterkasten

auf dem Bahnhofsvorplatz finden wir gleich das erste Wegzeichen, oft wandern wir parallel mit dem Nibelungensteig, dem E1 oder dem E8 

Bensheim-Auerbach

an der ersten Stempelstelle im Gemeindehaus findet sich die erste der informativen Übersichtstafeln

die Sonne brennt vom Himmel 

Staatspark Fürstenlager (hier gibt es schon den ersten Biergarten, nach nicht mal 2 km)

das Fürstenlager war im 18.Jahrhundert die ländliche Sommerresidenz des Hauses Hessen-Darmstadt 

bald wird die erste Höhe mit Aussicht erreicht...

...und das erste eindrucksvolle Monument - das Jerusalem-Friedensmal

das Friedensmal ist den deutsch-jüdischen Beziehungen und der Völkerverständigung gewidmet

die Wege des Camino sind - logischerweise - durchweg breit und gut zu gehen, der Asphaltanteil ist recht hoch

aber die Strecke ist so abwechslungsreich gewählt, dass wir uns gern auf die Entdeckungsreise machen

das Felsenmeer bei Reichenbach/Lautertal

in Beedenkirchen steht die zweite Stempelstelle (hier muss man allerdings den Code zum Eintritt in die Kirche knacken...)

in den Stempelstellen finden sich immer auch erklärende Flyer

es macht einfach Freude, durch die hügelige Landschaft zu streifen

auch ein große Gruppe des Odenwald-Clubs nutzt den 1. Mai für eine Wanderung

Brandau

ein Tee wäre jetzt nicht schlecht

hinter Brandau (und einer Trinkpause mit diesem Blick) steigen wir parallel zum Bachtal hinauf

Neunkirchen

immer wieder können wir weit in die Rheinebene schauen

zur Abwechslung eine Schattenstrecke, wunderbar

der Weg ist sehr gut ausgeschildert, nur beim optionalen Aufstieg zur Neunkircher Höhe lässt uns die Beschilderung etwas im Stich

Neunkircher Höhe, wir waren leider nicht oben auf dem Turm, es war einfach zu heiß für uns, wir sehnten hier schon sehr das Etappenende herbei, denn der Aufsteig lohnt sich

aber diese Aussicht ist auch nicht schlecht

Tagesziel Winterkasten

 

Etappe 2: Winterkasten - Tromm - Kreidacher Höhe

Winterkasten Unterdorf

gleich nach Beginn der Wanderung steht etwas außerhalb vom Unterdorf die erste Kirche bzw. die erste Stempelstelle 

es ist wieder sonnig und leider noch wärmer als gestern...

wir steigen immer höher

ein Geotop auf der Litzelröder Höhe: hier tritt Gabbro, Variskischer Schiefer und Granit auf kurzer Entfernung an die Erdoberfläche

Bismarckturm oberhalb von Lindenfels

diesmal steigen wir hinauf und genießen den Blick

Lindenfels

nächste Stempelstelle

im Pilgerheft sind die Stempelstellen alle aufgelistet

in Lindenfels befindet sich das Deutsche Drachenmuseum

nämlich gleich hier unweit der Stempelstelle im Ortszentrum

wir ziehen weiter...

...und schon nach kurzer Strecke wird es wieder ländlich

wir folgen dem Kunstpfad von Fürth i. O.

Blick zurück auf Burg Lindenfels 

neben den Kunstwerken finden sich auch immer wieder ältere Kleindenkmale und Kreuze

Fürth i. O. 

die Kirche steht hoch über der Stadt

wir stempeln und tragen uns ins Gästebuch ein

der Stadtpark von Fürth ist ein guter Mittagsrastplatz

kurz darauf geht es entlang eines Bachtals in den schattigen Wald

die Freude über den Schatten währt nur kurz, hinter dem Biergarten von Altlechtern geht es schweißtreibend in die Höhe

der Summstein

Sonne

immer noch Sonne

Hammelbach

nächste Stempelstelle

seit Fürth geht es für rund 10 km eigentlich immer nur bergauf, zwar nur mäßig steil, aber man merkt es doch langsam in den Beinen 

jetzt bin ich aber oben, auf der Tromm an der Kapelle der Familie Richter

diese friedvolle Kapelle ist eine der schönsten Stempelstellen

der - allerdings nicht unwillkommene Kontrast - ist der gut besuchte Biergarten

Endlich ein kühles Getränk!

der neue Trommturm - nichts für Menschen mit Höhenangst

es kostet mich schon viel Überwindung, hinaufzusteigen, aber die 360 Grad Aussicht und die Turmkonstruktion sind einfach spektakulär

Da es wirklich enorm heiß ist, und Herr Uhthoff sich schon seit längerem bemerkbar macht, breche ich hier ab (Meine Kollegin mußte aus diesem Grund schon früher abbrechen), Bis zur Kreidacher Höhe ist es vielleicht noch eine Stunde.

 

Etappe 3: Kreidacher Höhe - Wilhelmsfeld

das ist die Kreidacher Höhe bei Wald-Michelbach

Und die kurze, aber unattraktivste Wegstrecke des Camino. 

Aussicht gibt es trotzdem (hier auf Wald-Michelbach)

wir erreichen das Kloster Buddhas Weg

hier befindet sich auch ein Café

die Stiefelhütte - neben Speis und Trank gibt es hier an der Theke auch die nächste Stempelstelle 

zum Glück geht es heute überwiegend durch den Wald

Unterabsteinach mit der Margaretenkapelle

natürlich befindet sich hier die nächste Stempelstelle

wir wandern auf einer alten Fernstraße, das ist der Blick zurück

Blick in die Rheinebene

bei Bärsbach

alte Wegzeichen an der Hohen Straße

so langsam kommt der Weg mir bekannt vor; hier war ich auf dem E1 schon einmal unterwegs

Naturfreundehaus Kohlhof - nach Leerstand wird heute Wiedereröffnung gefeiert

Wir lassen uns die Gelegheit zu einer Pause und zu einem kurzen Gespräch mit den beiden Pilgerbegleitern des Camino, Claudia und Frank, die heute auch hier sind, nicht entgehen. 

Zurück in Weinheim, wo wir uns für die vier Wandertage einquartiert haben.

Auch für einen Besuch des Schau- und Sichtungsgartens reicht die Zeit (und Energie) noch.

 

Etappe 4: Wilhelmsfeld - Heidelberg

heute geht es überwiegend durch den Wald

schon bald haben wir den Weißen Stein (mit Ausflugsgaststätte) erreicht

und das Ziel ist schon ausgeschildert

vom Rastplatz Zollstock hat man den ersten Blick auf Schloß Heidelberg

die Thingstätte auf dem Heiligenberg

ein Relikt aus dunkler Zeit

vermutlich haben die Nazis die Stelle hier oben ausgewählt, weil der Heiligenberg schon in früher Zeit eine wichtige Stätte der Kelten war

einen Bismarckturm und Reste von mittelalterlichen Klöstern gibt es ebenfalls hier oben  

Heidelberg - Blick auf die Theodor-Heuss-Brücke mit meinem Gymnasium links daneben - ein prägender Ort :-) 

wir nehmen jetzt nicht den Camino, sondern den kürzesten Weg hinunter zur Stadt

und der führt über den Schlangenweg

der Schlangeweg leitet direkt...

..zur Alten Brücke und in das Herz der Altstadt

zuerst lassen wir uns vom Brückenaffen den Spiegel vorhalten 

dann zeige ich meiner Kollegin die Altstadt

am Ziel: vor der Jesuitenkirche

wir werden von Pilgerbegleiter Frank in Empfang genommen

und wir zeigen unser Pilgerheft vor

und erhalten die Pilgerurkunde

Der Camino Incluso war eine bereichernde, wunderbare Erfahrung! Unbedingte Nachwanderempfehlung!