Natursteig Sieg

wandern im Siegtal - schmale Pfade...

 

Wo: Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz

Start: Siegburg

Ende: Mudersbach

Etappen: 14

Länge: rund 240 km

Offizielle Webseite: www.naturregion-sieg.de

ÖPNV: www.vrs.de

Wanderführer: von Rother, Hikeline oder Conrad

Offiziell wird der Natursteig Sieg in 14 Etappen eingeteilt. Zwei der Etappen sind Schleifen um einen Talort und keine Streckentour. Dafür fehlen die Etappen von der Quelle nach Mudersbach und von Siegburg zur Mündung. Im Rother Wanderführer, den wir benutzten, werden Vorschläge für diese Strecke  angeboten. In Windeck-Schladern im Schönecker Weg 3 befindet sich das Besucherzentrum der Region. Es liegt unweit vom Bahnhof und dem Siegwasserfall und im selben Komplex wie Elmores Biergarten und Lounge.

Siegburg – Hennef, 15,8 km

Hennef – Blankenberg, 17,6 km

Blankenberg – Merten, 12,7 km

Merten – Eitorf, 14,5 km

Eitorf – Herchen, 21,1 km

Schleife um Herchen, 18,6 km

Herchen – Schladern, 18,3 km

Schladern – Au, 17,5 km

Au – Wissen, 18,9 km

Schleife um Wissen, 25 km

Wissen – Scheuerfeld, 15,4 km

Scheuerfeld – Alsdorf, 16,1 km

Alsdorf – Kirchen, 10,8 km

Kirchen – Mudersbach, 19,8 km

...und immer wieder weite Aussichten

 

Im Mai 2026 wanderte ich mit einer Freundin von der Siegquelle bis zur Mündung der Sieg in den Rhein und weiter nach Bonn als Teil meiner Streckenalternative zum Weg der deutschen Einheit. Ein Großteil der Route wird vom Natursteig Sieg, einem vom Deutschen Wanderverband zertifizierten Premiumwanderweg, abgedeckt.

Unsere geplante Etappeneinteilung:

Haltestelle Siegquelle – Siegquelle – Nenkersdorf – Deuz – Siegen Hbf, 23 km

Siegen Hbf – Mudersbach Bf, 15,5 km

Mudersbach Bf -  Alsdorf Bf, 27 km

Alsdorf Bf – Niederhövels Bf, 23 km

Niederhövels Bf – Halscheid, 23 km (Windeck-Halscheid erreicht man mit Bus 544 von Rosbach ZOB)

Halscheid – Rosbach Fewo, 16 km

Rosbach Fewo – Dattenfeld Bf, 17 km

Dattenfeld Bf – Herchen Bf, 9 km

Schleife um Herchen, 18,5 km

Herchen Bf – Niederbohlscheid, 16,5 km (Bohlscheid - Niederbohlscheid erreicht man mit Ruftaxi 533 von Eitorf ZOB)

Niederbohlscheid – Blankenberg Bf, 22 km

Blankenberg Bf – Bröl Kirche, 15 km (Bröl-Hennef/Kirche erreicht man mit Bus SB53 vom Hennef ZOB)

Bröl Kirche – Siegburg Bf, 18,5 km

Siegburg – Mündung bei Mondorf – Bonn Hbf, 22 km

auf den Gipfeln stehen Schilder mit Stempelmarken, die man in einen Stempelpass abpausen kann, den Pass gibt es im Infozentrum in Schladern 

 

Die Schleife um Wissen wollten wir von vornherein aus Zeitgründen nicht wandern. Sie soll nicht so attraktiv sein. Bei der Planung war mein Ziel, lästige Zuwege zu vermeiden, in dem ich die entsprechenden Bushaltestellen nutze – in diesem Fall begannen wir die betroffenen Etappen immer zuerst an der Bushaltestelle. Das Wetter und die Deutsche Bahn waren uns nicht immer gewogen, so dass wir dann auch noch spontane Anpassungen vornahmen und z.B. die Reihenfolge der Etappen vertauschten oder Etappen zusammenfassten und leider auch einige Kilometer streichen mussten.

Der offizielle Natursteig Sieg verläuft von Siegburg nach Mudersbach und wirbt damit, dass jede  Etappe eine Anbindung an einen Bahnhof hat. Das ist richtig, aber zugleich auch eine der  - meiner Meinung nach – Schwächen des Weges. Denn die einzelnen Etappen sind recht kurz gehalten und werden meist nur durch zusätzliche Zuwege, die somit nicht Teil des eigentlichen Weges sind (und oft beträchtliche Längen und Höhenmeter aufweisen), an das Bahnnetz angebunden, mit der Folge, dass man den Zuweg zweimal gehen muss. Das finde ich bei einem ausgewiesenen Weitwanderweg schlecht gelöst, vermute aber, dass die Konzeption des Weges sich an Tagesausflüglern aus dem Raum Köln/Bonn/Siegen orientiert, und nicht an Menschen, die den ganzen Weg am Stück gehen wollen. Denn die Naturregion Sieg bietet auf ihrer Webseite zusätzlich zum Natursteig Sieg auch noch ausgeschilderte Erlebniswege und weitere Rundtouren an.

das weiße, geschwungene "S" auf blauem Grund leitet nicht immer zuverlässig von Mudersbach nach Siegburg 

 

Als weitere Schwäche empfinde ich, dass Mündung und Quelle nicht zum offiziellen Natursteig gehören. Ich denke, dass die meisten Wandernden bei einer Wanderung an einem von Deutschlands kürzeren Flüssen erwarten, dass die gesamte Länge abgewandert werden kann, wie es z.B. beim Werra-Burgensteig oder dem  Ederhöhen- und dem Lahnwanderweg in unmittelbarer Nachbarschaft zur Sieg der Fall ist. Der Rother Wanderführer macht daher auch richtigerweise entsprechende Vorschläge für Zusatzetappen. Kurioserweise fand ich persönlich gerade Teile der nicht offiziellen Strecken besonders schön. Hier zeigt sich deutlich, dass die Fixierung auf die Zuganbindung einen unnötigen, weil selbst auferlegten, Zwang schafft, zumal die Region auch durchaus adäquat durch Busse erschlossen wird (u.a. als Zubringer zu den Bahnhöfen).

Darüber hinaus hat uns die für einen Premiumwanderweg an einigen Stellen schlechte Ausschilderung überrascht. Zu den Eigenheiten des Natursteigs gehört, dass er oft gänzlich unerwartet von einem breiten Weg auf einen schmalen Pfad abbiegt. Eigentlich lobenswert; die schmalen Pfade waren meist sehr attraktiv. Aber nicht Ortskundige finden den Pfad nur, wenn auch ersichtlich ist, dass es in das Dickicht neben dem Weg hineingeht, und die Markierung nicht als bloßes Bestätigungszeichen verstanden wird (im Winter ohne Laub sind die Abzweige möglicherweise als solche zu erkennen, für uns war manchmal auf den ersten Blick kein Pfad auszumachen). Die Markierungen bestehen nämlich überwiegend aus aufgesprühten Farbflecken – wir fanden es nicht einfach, auf den teils verblassten, teils wegen des Untergrunds aus rauer Borke abgebrochenen oder schwer lesbaren Zeichen auch noch die winzigen Richtungspfeile zu entziffern. Hier hätte sich eine Investition in einen Richtungsmarker aus Metall gelohnt. So sind wir leider des Öfteren, und teils über längere Strecken, in die falsche Richtung gegangen und haben sicher das eine oder andere Highlight verpasst.

immer wieder folgt der Natursteig dem Ufer der Sieg, wie hier bei Dattenfeld

 

Ich hoffe, dass du bei soviel Kritik trotzdem bis hierher durchgehalten und deine Neugier auf den Weg behalten hast. Denn ganz so schlecht, wie es den Eindruck machen mag, war unser Erlebnis auf dem Natursteig Sieg nicht, im Gegenteil.

Bei Premiumwanderwegen versuche ich grundsätzlich, meine innere  Erwartungshaltung um ungefähr 20% zu dämpfen; ich nenne es den Marketingsprechabzug. Wer diesen vornimmt, kann den Fokus von langen Strecken auf breiten Forstwegen, asphaltierten Wirtschaftswegen etc. lösen und statt dessen auf blühende Wiesen, schöne Aussichten ins Siegtal, viele lauschige Bachtäler, eingestreute wildere Pfadabschnitte und zahlreiche kulturelle Zeugnisse richten, und erwartet auch keine spektakuläre Landschaft, sondern ein breites Flusstal eingerahmt von relativ niedrigen Höhenzügen, das durchaus seinen eigenen Reiz entfaltet und eine Erkundung wert ist.

Ein Vorteil der guten Verkehrsanbindung ist, dass man den Natursteig von einem Standort aus machen kann, wenn die Anreise dann auch manchmal über eine Stunde dauert. Aber so wandert es sich immerhin mit ganz leichten Gepäck. Perfekt für Einsteiger*innen ins Weitwandern. Wir haben uns als Standort eine FeWo in Rosbach gemietet – zu den am Weitesten entfernten Orten, also nach Bonn und zur Siegquelle fährt man mit S-Bahn und Straßenbahn oder Bus 01:09 Stunden bzw. 01:46 Stunden. Von Au/Sieg wäre es noch optimaler: nur 01:01 bzw. 01:29 Stunden, denn dort verkehren sowohl S-Bahnen wie auch RE. Allerdings werden im Siegtal gar nicht so viele Unterkünfte angeboten, die fußläufig zum Bahnhof und zu Einkaufsmöglichkeiten liegen. Einige Bahnhöfe befinden sich auch relativ weit weg vom Ortkern, oder in einem kleinen Teilort ohne Infrastruktur. Von Siegburg, der neben Siegen größten Stadt im Siegtal und daher mit sehr guter Infrastruktur, dauert die Fahrt mit dem ÖPNV 02:13 Stunden bis zur Siegquelle. Ein weiterer Vorteil des Standortwanderns liegt darin, dass man die Reihenfolge und Laufrichtung der Etappen vertauschen kann. Wir hatten teilweise sehr verregnete Tage und zogen an diesen leichtere Etappen vor, um nicht auf rutschigen Pfaden abzustürzen.

neben breiten Wirtschaftswegen werden wir immer wieder über schmale Pfade an steilen Hängen geleitet

 

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