Im Februar machte ein kleines, jahreszeitlich bedingtes Hochwasser einige Umplanungen notwendig

Ederhöhenweg 

 

Wo: Nordrhein-Westfalen und Hessen

Start: Ederquelle im Rothaargebirge

Ende: Kassel

Etappen: 11

Länge: ca. 234 km

Offizielle Webseite: z.B. www.wildganz.com

ÖPNV:

Die Ederquelle erreicht man am einfachsten von Siegen ZOB bzw. Bad Laasphe Bahnhof mit dem unter der Woche verkehrenden Bus SB5, Haltestelle Siegquelle, Netphen oder mit dem Bus 200 vom Bahnhof Erndtebrück nach Benfe Wendeplatz – hier gibt es zusätzlich am Wochenende ein Angebot mit AST. Von beiden Haltestellen sind es noch ein paar Kilometer zu Fuß zur Ederquelle. Der Endpunkt Kassel ist bestens ans Bahnnetz angebunden.

von der Felsburg reicht der Blick weit ins Edertal

 

Offiziell wird der Ederhöhenweg in 11 Etappen eingeteilt:

Ederquelle – Aue, 34 km

Aue – Arfeld, 20 km

Arfeld – Hatzfeld, 17 km

Hatzfeld – Battenberg, 19,5 km

Battenberg – Frankenberg, 13,5 km

Frankenberg – Schmittlotheim, 19,5 km

Schmittlotheim – Bringhausen, 17 km

Bringhausen – Bergheim, 21 km

Bergheim – Fritzlar, 16,5 km

Fritzlar – Ellenberg, 23 km

Ellenberg – Kassel Hauptbahnhof, 23 km

Am Ende des Ederhöhenweges wartet mit Kassel eine Stadt, die einen längeren Besuch Wert ist. 

 

Es gibt keinen offiziellen Wanderführer zum Ederhöhenweg. Die Informationen im Internet, auf den einschlägigen Apps und die relativ gute Beschilderung machen das Nachwandern aber recht problemlos möglich. Auf hessischer Seite gibt es zusätzlich den Ederhöhenpfad, der von Beddelhausen nach Schmittlotheim führt, und mehr oder weniger parallel zum Ederhöhenweg verläuft. Er ist ein Qualitätsweg Wanderbares Deutschland; Informationen zum 63 km langen Pfad findet man auf der entsprechenden Webseite. Er ist mit einem E markiert, unter das ein blauer Pinselstrich gesetzt ist. Der „echte“ Ederhöhenweg ist nur mit einem E bzw. mit XE markiert. Der Ederhöhenweg ist ein technisch einfacher Wanderweg, der zumeist auf breiten Wegen geführt wird. Nur zwischen Bringhausen und Affoldern am Edersee verläuft er auf längeren Streckenabschnitten auf schmalen, urwüchsigen Pfaden. Die letzte Etappe nach Kassel hinein ist, vor allem auf der zweiten Hälfte, sehr urban. Meine Empfehlung ist, spätestens ab den Bahnhöfen Baunatal-Guntershausen oder Baunatal-Rengershausen die restliche Strecke bis Kassel zu überspringen. Dann lieber die gesparten Kilometer für eine ausgiebigere Erkundungstour des Karlsauenparks bei der Orangerie (Ende des Ederhöhenweges) nutzen, alternativ den Bergpark Wilhelmshöhe (UNESCO Welterbe) oder eines der vielen kulturellen Highlights von Kassel besuchen.

Der Ederhöhenweg wurde in den 80er Jahren vom Hessisch-Waldeckischen Gebirgs- und Heimatverein zusammen mit dem Sauerländischen Gebirgsverein eingerichtet. Durch Siegerland, Wittgensteiner Land, Waldecker Land und das Kurhessische Bergland folgt der Weg der Eder bis zur Mündung in die Fulda und dann noch ein Stück weiter nach Kassel hinein, durchquert dabei unterschiedliche Landschaftstypen und streift historische Fachwerkstädtchen und alte Burganlagen. Der Wechsel zwischen den Anhöhen links und rechts vom Fluss und den Auen am Ufer machen den Weg reizvoll zu gehen. Ein Höhepunkt ist sicher die Strecke am Edersee im Nationalpark Kellerwald-Edersee mit den schönen Buchenwäldern und dem immer wieder hervorblitzenden See.

bei typischem Februarwetter laufe ich zunächst nur die offiziellen Etappen 4 -11 des Ederhöhenweges 

 

Im Februar 2026 bin ich im Anschluss an meine Wanderführerausbildung in sechs statt acht Etappen von Hatzfeld bis nach Kassel gewandert. Die fehlenden Etappen von der Quelle nach Hatzfeld werde ich später im Jahr nachholen. Die Eder führte in ihrem Verlauf bis zum gut gefüllten Edersee Hochwasser (wobei wohl ein kritischer Pegel nicht erreicht wurde – es waren nur Wanderwege und Fußgängerbrücken betroffen, es bestand keine Gefahr für Menschen, die Ederauen haben einfach ihre jahreszeitlich bedingte Funktion als Retensionsfläche erfüllt) – damit hatte ich gar nicht gerechnet, eher mit Schnee. Mit Hilfe einiger Routenabweichungen bin ich aber gut durchgekommen und fand die überschwemmten Auen sehr sehenswert. Im Frühnebel ergaben sich geheimnisvoll-mystische Szenerien.

Der Ederhöhenweg ist Teil meines Projekts, von Görlitz nach Aachen zu wandern, und bildet im Bereich des Sauerlands meine persönliche Routenvariante zum Weg der deutschen Einheit. Auf dem Barbarossaweg bin ich 2025 dem WDE bis nach Ederbringhausen gefolgt – dieser Ort wird auf der offiziell 6. Etappe des Ederhöhenwegs durchquert.

Die Verkehrsanbindung an die einzelnen Etappen ist relativ gut – zwischen Frankenberg und Hatzfeld verkehrt Bus 548 mit Halt in mehreren Orten am Weg, zwischen Frankenberg und Korbach liegen mehrere Bahnhaltepunkte an der Strecke, am Edersee verkehren AST bzw. die Buslinie 510 zwischen Korbach und Bad Wildungen mit Halt an der Sperrmauer in Hemfurth und mehreren weiteren Orten am Weg (bis Bergheim). Ab Fritzlar besteht Bahnanschluss nach Kassel. So ist eine individuelle Routeneinteilung mit wenigen Übernachtungsorten möglich. Ich habe in Allendorf/Eder (hier gibt es eine Art Motel im Gewerbegebiet unweit der Haltestelle Battenfeld Einkaufszentrum), in Korbach (im Hotel Dalwigker Tor, in dem ich immer wieder gerne einkehre) und in Kassel übernachtet.


Etappe 4/Teil 5: Hatzfeld - Battenberg - Allendorf/Eder, 23,5 km

Am Vorabend bin ich im Dunkeln in meinem Quartier in Allendorf/Eder (nächste Haltestelle in 5 Minuten Entfernung in Battenfeld am Einkaufszentrum - sehr praktisch: ein Rewe und Bäcker sind gleich um die Ecke) angekommen. Heute auf der Busfahrt nach Hatzfeld Mitte entdecke ich zu meinem Schrecken, dass die Eder über die Ufer getreten ist und weite Teile der ufernahen Wege überschwemmt sind. 

immerhin - der Weg ist in Hatzfeld sofort gut ausgeschildert...

andererseits: wie befürchtet sind ufernahe Wege und Fußgängerbrücken gesperrt

mein Weg führt zum Glück zunächst bergauf

immer wieder blitzt das Band der Eder durch die laubfreien Bäume

ungefähr 1 kg Lehm klebt inzwischen unter meinen Schuhen

ok, in Holzhausen (hinten im Bild) muss ich ans andere Ederufer...

zum Glück kommt vorher noch eine Brücke für Radfahrer auf einer aufgelassenen (und auf einem hohen Damm verlaufenden) Bahnstrecke

leider ist danach der Wanderweg bzw. Radweg Richtung Holzhausen auf der rechten Ederseite ebenfalls überschwemmt

also marschiere ich tapfer einen guten Kilometer an der Straße entlang - die richtige Entscheidung, wie die gesperrte Fußgängerbrücke in Holzhausen zeigt

Holzhausen

jetzt erst mal eine Teepause...

...denn es folgt ein steiler Aufstieg

links und rechts des Weges gibt es immer etwas zu entdecken

als es anfängt zu regnen, komme ich zu den Holzhäuser Klippen - man beachte, dass man nur auf diesem Brett AUßEN (Sinnhaftigkeit?) an der Hütte kauern kann - naja, es tropft lediglich auf meine Füße, als ich mir eine weitere Teepause gönne

ein weiter Blick ins Edertal von den Holzhäuser Klippen

ein paar Kilometer später blickt man bei Doddenau auf eine Ederschleife 

hier wäre bei schönem Wetter ein netter Rastplatz

in Battenberg ist der Ederhöhenweg suboptimal ausgeschildert - so verpasse ich einen Teil der Altstadt, aber von der Ederbrücke hat man noch einmal einen schönen Blick zurück

da der weitere Wanderweg von der Ederbrücke aus überschwemmt aussieht, und ich nicht riskieren will, mit nassen Füßen vor einer gesperrten Fußgängerbrücke in Allendorf zu stehen und umkehren zu müssen, nehme ich für die restlichen Kilometer zum Hotel die Straße durch Battenfeld 

 

Etappe Teil 5 und 6: Allendorf/Eder - Frankenberg/Eder - Ederbringhausen - Schmittlotheim, 32 km 

Am Vorabend telefoniere ich noch mit einem Trail Angel: der für Hochwasser zuständige Kollege der Stadtverwaltung bespricht mit mir en detail, welcher Weg nach Frankenberg aktuell noch möglich ist! 

die Eder entwässert nämlich eher auf die rechte Uferseite, so dass ich auf dem linksseitigen Radweg ungehindert und sehr malerisch im Morgennebel vorankommen kann

auch auf der linken Seite hat sich die Eder ausgebreitet

die Fußgängerbrücke hinüber...

...führt heute ins Nichts...

...wie ich von hier aus in sicherer Entfernung sehen kann

auf dem Radweg wandere ich aber weiterhin weitgehend trockenen Fußes durch den Nebel, der die Landschaft wunderschön weichzeichnet

eine durch und durch nasse Welt, die mich in dieser Stimmung an Dorothy L. Sayers Buch "The nine Tailors", das im Fengebiet von Ostengland u.a. während einer winterlichen Flut spielt, erinnert

langsam gewinnt die Sonne an Kraft

auf einer Autobrücke überquere ich die Eder

nämlich hier an der Schiefermühle

und ich bin wieder auf dem Ederhöhenweg

der Ederhöhenweg führt ziemlich unschön durch ein Gewerbegebiet (hier habe ich einen Abstecher ins Thonet-Museum gemacht - ein kleines, interessantes Museum in einem Werksgebäude der Firma) und läßt eigentlich die Altstadt von Frankenberg/Eder aus

die zusätzlichen Höhenmeter hinauf zu Unter- und Obermarkt und zum einzigartigen 10-türmigen Rathaus lohnen sich aber durchaus

dann geht es über die Eder, steil den Berg hinauf in einen Wildpark (hier habe ich den kürzesten Weg hinauf genommen, der Ederhöhenweg ist sanfter)

Zeit für eine kleine Rast

weil die Etappe normalerweise noch länger wäre, kürze ich vom Wildpark aus etwas ab und laufe auf deutlich niedrigerer Höhe nach Schreufa - kurz hinter Schreufa liegt diese Furt...

...und nach dem ersten Schreck erkenne ich, dass es auch eine funktionierende Fußgängerbrücke gibt (links bei dem großen Baum)

es geht wieder deutlich bergauf - Blick zurück auf die Furt und Schreufa mit dem Fabrikgelände, Frankenberg im Hintergrund

Blick zurück von noch höherer Warte aus, oben rechts der Wildpark

durch Felder geht es dann wieder hinunter an die Eder bei Viermünden (hier gibt es einen Bahnhof, wer abkürzen möchte)

und hinter dem Ort wieder hinauf

der Herzkopf kommt ins Blickfeld

auf der rechten Seite sieht man Burg Hessenstein - da der Weg zwischen Frankenberg und Ederbringhausen keine besonderen Höhepunkte aufweist, wäre eine sinnvolle Überlegung, von Frankenberg statt dessen zur Burg Hessenstein zu wandern (ca. 12 km, genauso weit wie nach Ederbringhausen, aber dann spart man sich den steilen Aufstieg von Ederbringhausen hinauf und kann auf einem schönen, ebenen Waldweg von Burg Hessenstein Richtung Keseburg wandern; Burg Hessenstein ist eine Jugendherberge und böte sich auch als Übernachtungsmöglichkeit an)

kurz vor dem Abstieg nach Ederbringhausen

ich hab´s riskiert - aber der ufernahe Weg ist stellenweise nur noch ein Swimmingpool für Nilgänse, die Wiesen sind mit Wasser vollgesogen; also ein Stück zurück, die Bahnlinie überquert und auf dem Radweg weiter

am Bahnhof in Ederbringhausen gehe ich noch mal in mich, ob ich die knapp 7 km bis Schmittlotheim Bahnhof wirklich heute gehen möchte

der Proteinriegel täuschte vor, Energie zu spenden, und es ist ein schöner Tag...also weiter geht´s

hier, gut zehn Minuten später, wäre natürlich ein schönerer Rastplatz gewesen, um Kraft für den nun folgenden steilen Aufstieg zu schöpfen

ein steiler Aufstieg ist umso schlimmer, wenn man ihn schon mal (auf dem Barbarossaweg) gegangen ist, und weiß, was ansteht :-)

puh, geschafft, ich stehe auf dem schönen Weg, der von der Burg Hessenstein kommt

der urwaldartige Steig, der zu den vermutlich unspektakulären Resten von der Keseburg (ich konnte nämlich von unten nichts erkennnen) führt, war zum Glück geperrt, so mußte ich mich nach gut 26 km nicht auch noch entscheiden, ob ich mir das zusätzlich hätte antun sollen

endlich stapfe ich auf Schmittlotheim zu - dann doch in etwas zügigerem Tempo, weil der Zug zwanzig Minuten früher kommt, als ich im Kopf hatte (gut, dass ich nochmal gecheckt habe)

ein letztes Mal über die Eder (der Bahnhof liegt ca. 700 m vom Ort entfernt), und ich bin rechtzeitig vor Ankunft des Zuges da

und wie schon auf früheren Wandertouren übernachte ich im eine kurze Zugfahrt entfernten Korbach

 

Etappe 7/Teil 8 Schmittlotheim - Hemfurth Sperrmauer Ost, 29 km

wieder eine lange Etappe mit einigen Höhenmetern, die man dank AST in Asel Süd oder Bringhausen unterbrechen könnte, aber der stündliche, reguläre Busservice an der Sperrmauer ist natürlich attraktiver 

vom Bahnhof bei Schmittlotheim geht es erst wieder über die Eder

Schmittlotheim

und dann hinauf zum Hagenstein

der Nationalpark Kellerwald Edersee beeindruckt erwartungsgemäß wieder mit malerischen Altholzskulpturen ...

...und mit jeder Menge waldtypischer Gefahren :-)

Asel Süd - man beachte den Bildausschnitt, der fast ohne Wohnwägen auskommt (rechts breitet sich nämlich, wie fast überall an den Orten am Edersee, ein Teppich aus Campingfahrzeugen aus)

der Edersee ist gut gefüllt - als wir das letzte Mal hier waren, ragte ein Stück der untergegangenen Brücke heraus

im Winter gibt es überall schöne Durchblicke auf den See

es geht wirklich steil hinunter zum Seeufer

in der Banfebucht

waldtypische Gefahren

Tea-time an einem Aussichtspunkt

in Bringhausen hat man den allerschönsten Blick auf den See

sogar auf Schloß Waldeck

diese Mittagsrastaussicht nennt sich Fünf-Seen-Blick

ab dem Sauermilchplatz beginnt ein schmaler und teils überwachsener Pfadabschnitt - der Weg läuft hier teilweise parallel zum Urwaldsteig

und steil bergauf geht es auch noch - der Weg umrundet das Speicherbecken auf dem Peterskopf knapp unterhalb des Gipfels 

hier am Sattel beim Ochsenkopf entscheide ich mich für eine Wegalternative (rechts ein Stück bergauf statt geradeaus) und habe noch einmal eine schöne Panoramaaussicht...

...bevor ich wieder den Ederhöhenweg und den Urwaldsteig in einem wilden Taleinschnitt erreiche

Hemfurth

auf der Ostseite der Sperrmauer befindet sich ein Stück straßenaufwärts die Bushaltestelle

noch einmal übernachte ich in Korbach

 

Etappe Teil 8 und 9 Hemfurth Sperrmauer Ost - Fritzlar Bahnhof, 26 km

auf einem schmalen Pfad wird hinter der Haltestelle schnell an Höhe gewonnen

noch einmal wartet ein Aussichtspunkt mit einem Blick auf die Sperrmauer und den Edersee auf

nach einem längeren Waldstück erreiche ich Affoldern und wieder einmal eine Brücke über die Eder

an die Nachwandernden: dies ist der Blick zurück auf Affoldern - nach der Ederbrücke nicht den Fehler machen (wie ich), und dem Ederhöhenweg auf überflüssigen Höhenmetern und schmalen, abschüssigen Pfaden durch einen zugewachsenen Wald folgen (links im Bild), denn was ich von der Affolderner Seite aus nicht sehen konnte - es führt ein Radweg an der Straße entlang, auf dem man sicher und deutlich kürzer bis zu dieser Abzweigung gelangt 

von der Abzweigung führt der Radweg (und der Ederhöhenweg) zurück an die Eder, der man für längere Zeit ufernah folgt 

nicht besonders spektakulär zieht sich der Weg topfeben über Mehlen...

...nach Bergheim

Abwechslung bieten die schönen, grafischen, winterlichen Strukturen der Bäume...

...danach führt der Ederhöhenweg ziemlich lange entlang einer Straße aus Bergheim heraus

dann geht es steil bergauf durch einen Wirtschaftswald

ewig kommt keine Rastmöglichkeit, und ich bin hungrig und erschöpft, so dass mir diese kümmerliche Bank viel mehr als Rettung erscheint, als sie in Wirklichkeit ist :-)

tatsächlich liegen zwischen dem letzten und diesem Bild zwei wesentlich geignetere Schutzhütten

und zwischen dem letzten und diesem Bild liegen sehr unschöne Wegabschnitte (ungepflegte Pfade, Wildschweinwohnzimmer und schlechte bzw. abgeholzte Beschilderung - und ich bin dadurch SCHON WIEDER aus Versehen auf einer Rückegasse gelandet) 

die Waldarbeiter nehmen überhaupt keine Rücksicht darauf, dass hier 1739 die Grenze zwischen Waldeck-Pyrmont und Hessen-Kassel verlief

Kurz vor Geismar liegen unübersehbar beschildert die Donareiche (Nachpflanzung) und die Johanniskirche im Wald. Hier hat 725 Bonifatius das zentale Heiligtum der Germanen (die Eiche) gefällt und statt dessen eine Kapelle errichtet.

im trüben und nasskalten Wetter liegt Geismar vor mir

gut beschildert durchquere ich den Ort

ein letztes Mal geht es heute hinter Geismar steil bergauf

kurz vor Fritzlar steht ein alter Wachturm im Wald

inzwischen bin ich nach den drei langen Wandertagen schon ziemlich ermattet und freue mich, dass das Ziel nahe scheint

am Marktplatz kehre ich erst einmal in einem Café ein...

...bevor ich pflichtschuldigst erst Bonifatius...

...dann dem St. Petri Dom einen Besuch abstatte. Zum Bahnhof sind es dann noch fast 2 km :-(

Und in Kassel wundere ich mich, warum in meinem mitten in der Innenstadt gelegenen Zimmer die Vorhänge zugezogen sind. Dann entdecke ich die sehr zentrale, sehr urbane Anmutung der Aussicht auf ein marodes Parkhaus :-). Trotz allem hätte hier das Preis-Leistungsverhältnis gestimmt, wenn genug Frühstücksgeschirr vorhanden gewesen wäre. Aber außer Wasserkocher, Teetassen und Weingläsern gab es nichts (zum Glück hatte ich meinen Göffel und mein Taschenmesser dabei). Die Top-Dusche hat meinen inneren Kritiker dann wieder besänftigt.

 

Etappe 10: (Fritzlar) - Ellenberg - Wolfershausen, 13 km (bzw.24 km)

treue Leser*innen erinnern sich an die trostlos-nasse Etappe zwischen Felsberg und Fritzlar auf dem Barbarossaweg, der hier mit dem Ederhöhenweg parallel läuft

diese 10 km habe ich dann heute ohne zu Zögern drangegeben für ein gemütliches, nachmittägliches Treffen mit einer Freundin

ich starte also statt in Fritzlar in Felsberg und mit der Burgbesichtigung, die wir letztes Mal wegen des Dauerregens ausgelassen hatten

das Innere der Burg kann man nur von April bis Oktober besichtigen, aber die Umrundung lohnt auch

Blick von Gensungen auf den Heiligenberg. Was sagte ich nochmal über steile Anstiege, die man schon einmal gegangen ist...???

Denn nun geht es schweißtreibend, und immer noch parallel mit dem Barbarossaweg, steil hinauf zur Burg Heiligenberg (Blick zurück auf Gensungen und Felsberg mit dem markanten Turm der Felsburg). Meine Freude hält sich in Grenzen. 

auf dem Sattel ringe ich noch mit mir, ob die extra 50 Höhenmeter zur Burg noch sein müssen...

...das Pflichtgefühl siegt (und die Aussicht von "Hessens Landeskrone" entschädigt)

auf der Hälfte des Abstiegs vom Sattel trennen sich Barbarossaweg (geradeaus nach Heßlar) und Ederhöhenweg 

es geht links Richtung Altenbrunslar und zurück zur Eder

ab der Domäne Mittelhof folgt der Ederhöhenweg ein Stück der Straße

als ich die Straße verlasse, folgt ein überwuchertes, unschönes Wegstück - vielleicht wäre es besser gewesen, weiter auf der Straße zu bleiben (hier ein relativ harmlos aussehender Streckenteil)

erst kurz vor Altenbrunslar kommt eine schöne Allee am Waldrand mit weiten Aussichten und Rastbänken 

der Ederhöhenweg führt am oberen Ortsrand von Altenbrunslar entlang...

...und verschwindet dann in einem ziemlich undurchdringlichen Waldstück, bis man sowieso wieder auf der Straße weiterlaufen muss (hier der Blick von der Straße zurück in den Wald). So unschön das Wandern auf einer Landstraße ohne Randstreifen ist - hier hätte ich das durchgehend zwischen Mittelhof und Ellenberg machen sollen und mir einigen Frust ersparen können. 

Ellenberg ist das offizielle Etappenende - der Bahnhof von Wolfershausen liegt jedoch keine zwanzig Minuten entfernt quasi gegenüber.

es geht noch einmal recht nett an der Eder entlang 

der Bahnhof liegt unweit der Ederbrücke, wo mich meine Freundin abholt...

... und wir dann einen schönen gemeinsamen Nachmittag in Kassel verbringen :-)

 

Etappe 11: Wolfershausen - Kassel, 22 km 

zurück am Bahnhof Wolfershausen

es geht durch den Ort

und auf die nächste Anhöhe

der Weg verläuft auf landwirtschaftlichen Wegen

bei Haldorf bietet eine Bank mit Aussicht ins Edertal Gelegenheit für eine Teepause in der Morgenkühle

meine Beine sind inzwischen ziemlich müde - in jedem Ort unterwegs böten sich Fluchtmöglichkeiten zurück nach Kassel 

in Edermünde-Grifte geht es natürlich am Ortsende wieder nach oben

Hier (auf Höhe des Segelflughafens Edermünde-Grifte) mündet die Eder in die Fulda. Es stellt sich ein Gefühl von "Ziel erreicht, warum ist hier noch nicht Schluß" ein.  

nein, der Ederhöhenweg steuert noch Guntershausen an 

ich bin so verdattert, als mich hier Kinder nach der Uhr fragen - auf der Kirchturmuhr steht gut sichtbar 20 vor zwölf - aber halt in analog :-) -, dass ich automatisch weiterlaufe und dem E folge, anstatt zum Bahnhof abzubiegen

aber dann geht es noch ein paar Kilometer ganz nett an der Fulda entlang

Schon ziemlich fertig mache ich Mittagsrast mit schönem Blick auf die Fulda - zum Glück, denn das, was ich auf der Karte für eine historische Gartenanlage (große, symmetrische Flächen) und somit für eine attaktive Pausenstelle gehalten habe, entpuppt sich nachher als schnöder Gewerbepark!

Spätestens hier oben, am Bahnhof Baunatal-Rengershausen, empfehle ich allen Nachwandernden, aus dem Ederhöhenweg auszusteigen. Was folgt ist wirklich nicht mehr lohnend...

einzig die Chronistenpflicht treibt mich weiter zu dieser schönen Autobahnunterführung

dann passiert man in Kassel-Niederzwehren die Stelle eines ehemaligen Lagers für Zwangsarbeiter samt zweier angeschlossener Friedhöfe der Opfer

und sogleich folgt der vorhin erwähnte Gewerbepark

noch einmal geht es unter einer Autobahn durch, hier sinnvoll als Skatepark (war gut besucht) genutzt

dann endlich erreicht die müde Wandersfrau die weitläufigen Parkanlagen der Stadt 

und biegt hier zu ihrer Unterkunft ab

Juhu, ich habe es geschafft (das ist leider nicht meine Unterkunft, es ist später am Nachmittag, als ich mich frisch geduscht wieder unter die Leute traue)...

total euphorisch (und nicht im Mindesten ausgelaugt :-)) feiere ich den Abschluß der Wanderwoche

Am nächsten Tag bleibt vor der Rückfahrt noch ausgiebig Zeit für die Grimmwelt...

...und dem Sinnieren darüber, wie dankbar ich bin, so schöne Touren erleben zu dürfen.

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