Im Februar machte ein kleines Hochwasser einige Umplanungen notwendig
Ederhöhenweg
Wo: Nordrhein-Westfalen und Hessen
Start: Ederquelle im Rothaargebirge
Ende: Kassel
Etappen: 11
Länge: ca. 234 km
Offizielle Webseite: z.B. www.wildganz.com
ÖPNV:
Die Ederquelle erreicht man am einfachsten von Siegen ZOB bzw. Bad Laasphe Bahnhof mit dem unter der Woche verkehrenden Bus SB5, Haltestelle Siegquelle, Netphen oder mit dem Bus 200 vom Bahnhof Erndtebrück nach Benfe Wendeplatz – hier gibt es zusätzlich am Wochenende ein Angebot mit AST. Von beiden Haltestellen sind es noch ein paar Kilometer zu Fuß zur Ederquelle. Der Endpunkt Kassel ist bestens ans Bahnnetz angebunden.
von der Felsburg reicht der Blick weit ins Edertal
Offiziell wird der Ederhöhenweg in 11 Etappen eingeteilt:
Ederquelle – Aue, 34 km
Aue – Arfeld, 20 km
Arfeld – Hatzfeld, 17 km
Hatzfeld – Battenberg, 19,5 km
Battenberg – Frankenberg, 13,5 km
Frankenberg – Schmittlotheim, 19,5 km
Schmittlotheim – Bringhausen, 17 km
Bringhausen – Bergheim, 21 km
Bergheim – Fritzlar, 16,5 km
Fritzlar – Ellenberg, 23 km
Ellenberg – Kassel Hauptbahnhof, 23 km
Am Ende des Ederhöhenweges wartet mit Kassel eine Stadt, die einen längeren Besuch Wert ist.
Es gibt keinen offiziellen Wanderführer zum Ederhöhenweg. Die Informationen im Internet, auf den einschlägigen Apps und die relativ gute Beschilderung machen das Nachwandern aber recht problemlos möglich. Auf hessischer Seite gibt es zusätzlich den Ederhöhenpfad, der von Beddelhausen nach Schmittlotheim führt, und mehr oder weniger parallel zum Ederhöhenweg verläuft. Er ist ein Qualitätsweg Wanderbares Deutschland; Informationen zum 63 km langen Pfad findet man auf der entsprechenden Webseite. Er ist mit einem E markiert, unter das ein blauer Pinselstrich gesetzt ist. Der „echte“ Ederhöhenweg ist nur mit einem E bzw. mit XE markiert. Der Ederhöhenweg ist ein technisch einfacher Wanderweg, der zumeist auf breiten Wegen geführt wird. Nur zwischen Bringhausen und Affoldern am Edersee verläuft er auf längeren Streckenabschnitten auf schmalen, urwüchsigen Pfaden. Die letzte Etappe nach Kassel hinein ist, vor allem auf der zweiten Hälfte, sehr urban. Meine Empfehlung ist, spätestens ab den Bahnhöfen Baunatal-Guntershausen oder Baunatal-Rengershausen die restliche Strecke bis Kassel zu überspringen. Dann lieber die gesparten Kilometer für eine ausgiebigere Erkundungstour des Karlsauenparks bei der Orangerie nutzen oder eines der vielen kulturellen Highlights von Kassel besuchen.
Der Ederhöhenweg wurde in den 80er Jahren vom Hessisch-Waldeckischen Gebirgs- und Heimatverein zusammen mit dem Sauerländischen Gebirgsverein eingerichtet. Durch Siegerland, Wittgensteiner Land, Waldecker Land und das Kurhessische Bergland folgt der Weg der Eder bis zur Mündung in die Fulda und dann noch ein Stück weiter nach Kassel hinein, durchquert dabei unterschiedliche Landschaftstypen und streift historische Fachwerkstädtchen und alte Burganlagen. Der Wechsel zwischen den Anhöhen links und rechts vom Fluss und den Auen am Ufer machen den Weg reizvoll zu gehen. Ein Höhepunkt ist sicher die Strecke am Edersee im Nationalpark Kellerwald-Edersee mit den schönen Buchenwäldern und dem immer wieder hervorblitzenden See.
bei typischem Februarwetter starte ich mit der offiziellen Etappe 4 des Ederhöhenweges
Im Februar 2026 bin ich im Anschluss an meine Wanderführerausbildung in sechs statt acht Etappen von Hatzfeld bis nach Kassel gewandert. Die fehlenden Etappen werde ich später im Jahr nachholen. Die Eder führte in ihrem Verlauf bis zum gut gefüllten Edersee Hochwasser (wobei wohl ein kritischer Pegel nicht erreicht wurde – es waren nur Wanderwege und Fußgängerbrücken betroffen) – damit hatte ich gar nicht gerechnet, eher mit Schnee. Mit Hilfe einiger Routenabweichungen bin ich aber gut durchgekommen und fand die überschwemmten Auen sehr sehenswert. Im Frühnebel ergaben sich geheimnisvoll-mystische Szenerien.
Der Ederhöhenweg ist Teil meines Projekts, von Görlitz nach Aachen zu wandern, und bildet im Bereich des Sauerlands meine persönliche Routenvariante zum Weg der deutschen Einheit. Auf dem Barbarossaweg bin ich 2025 dem WDE bis nach Ederbringhausen gefolgt – dieser Ort wird auf der offiziell 6. Etappe des Ederhöhenwegs durchquert.
Die Verkehrsanbindung an die einzelnen Etappen ist relativ gut – zwischen Frankenberg und Hatzfeld verkehrt Bus 548 mit Halt in mehreren Orten am Weg, zwischen Frankenberg und Korbach liegen mehrere Bahnhaltepunkte an der Strecke, am Edersee verkehren AST bzw. die Buslinie 510 zwischen Korbach und Bad Wildungen mit Halt an der Sperrmauer in Hemfurth und mehreren weiteren Orten am Weg (bis Bergheim). Ab Fritzlar besteht Bahnanschluss nach Kassel. So ist eine individuelle Routeneinteilung mit wenigen Übernachtungsorten möglich. Ich habe in Allendorf/Eder (hier gibt es eine Art Motel im Gewerbegebiet unweit der Haltestelle Battenfeld Einkaufszentrum), in Korbach (im Hotel Dalwigker Tor, in dem ich immer wieder gerne einkehre) und in Kassel übernachtet.
Etappe 4: Hatzfeld - Battenberg - Allendorf/Eder, 23,5 km
Am Vorabend bin ich im Dunkeln in meinem Quartier in Allenfeld/Eder (nächste Haltestelle in 5 Minuten Entfernung in Battenfeld am Einkaufszentrum - sehr praktisch ein Rewe und Bäcker sind gleich um die Ecke) angekommen. Heute auf der Busfahrt nach Hatzfeld Mitte entdecke ich zu meinem Schrecken, dass die Eder über die Ufer getreten ist und weite Teile der ufernahen Wege überschwemmt sind.
immerhin - der Weg ist gleich gut ausgeschildert...
andererseits: wie befürchtet sind ufernahe Wege und Fußgängerbrücken gesperrt
mein Weg führt zum Glück zunächst bergauf
immer wieder blitzt das Band der Eder durch die laubfreien Bäume
ungefähr 1 kg Lehm klebt unter meinen Schuhen
ok, in Holzhausen (hinten im Bild) muss ich ans andere Ederufer...
zum Glück gibt es noch eine Brücke für Radfahrer auf einer aufgelassenen (und damit auf einem hohen Damm verlaufenden) Bahnstrecke
leider ist dann danach der Wanderweg bzw. Radweg Richtung Holzhausen auf der rechten Ederseite ebenfalls überschwemmt
also marschiere ich tapfer einen guten Kilometer an der Straße entlang - die richtige Entscheidung, wie die gesperrte Fußgängerbrücke zeigt
Holzhausen
jetzt erst mal eine Teepause...
...denn es folgt ein steiler Aufstieg
links und rechts des Weges gibt es immer etwas zu entdecken
als es anfängt zu regnen komme ich zu den Holzhäuser Klippen - man beachte, dass man nur auf diesem Brett AUßEN an der Hütte kauern kann - naja, es tropft nur auf meine Füße, als ich mir einen weitere Teepause gönne
ein weiter Blick ins Edertal von den Holzhäuser Klippen
ein paar Kilometer weiter blickt man zwischen Reddighausen und Doddenau auf eine Ederschleife
hier wäre bei schönem Wetter ein netter Rastplatz
in Battenberg ist der Ederhöhenweg suboptimal ausgeschildert - so verpasse ich einen Teil der Altstadt, aber von der Ederbrücke hat man noch einmal einen schönen Blick zurück
da der weitere Wanderweg von der Ederbrücke aus überschwemmt aussieht und ich nicht riskieren will, mit nassen Füßen vor einer gesperrten Fußgängerbrücke in Allendorf zu stehen und umkehren zu müssen, nehme ich für die restlichen Kilometer die Straße durch Battenfeld
Etappe 5: Allendorf/Eder - Frankenberg/Eder - Ederbringhausen - Schmittlotheim, 32 km
Am Vorabend telefoniere ich noch mit einem Trail Angel: der für Hochwasser zuständige Kollege der Stadtverwaltung bespricht mit mir, welcher Weg nach Frankenberg aktuell noch möglich ist!
die Eder entwässert nämlich eher auf die rechte Uferseite, so dass ich auf dem linksseitigen Radweg ungehindert und sehr malerisch im Morgennebel vorankommen kann
auch auf der linken Seite hat sich die Eder ausgebreitet
die Fußgängerbrücke hinüber...
...führt heute ins Nichts...
...wie ich von hier aus in sicherer Entfernung sehen kann
auf dem Radweg wandere ich aber weiterhin sicher durch den Nebel, der die Landschaft wunderschön weichzeichnet
eine durch und durch nasse Welt, die mich in dieser Stimmung an Dorothy L. Sayers Buch "The nine Tailors", das im Fengebiet von Ostengland spielt, erinnert
langsam gewinnt die Sonne an Kraft
auf einer Autobrücke über quere ich die Eder
nämlich hier an der Schiefermühle
und bin wieder auf dem Ederhöhenweg
der Ederhöhenweg führt ziemlich unschön durch ein Gewerbegebiet und macht eigentlich keinen Abstecher in die Altstadt von Frankenberg/Eder
die zusätzlichen Höhenmeter hinauf zu Unter- und Obermarkt und zum einzigartigen 10-türmigen Rathaus lohnen sich aber durchaus
dann geht es über die Eder, steil den Berg hinauf in einen Wildpark (hier habe ich den kürzesten Weg hinauf genommen, der Ederhöhenweg ist sanfter)
Zeit für eine kleine Rast
weil die Etappe normalerweise noch länger wäre, kürze ich vom Wildpark aus etwas ab und laufe auf deutlich niedrigerer Höhe nach Schreufa - kurz hinter Schreufa liegt diese Furt...
und nach dem ersten Schreck erkenne ich, dass es auch eine funktionierende Fußgängerbrücke gibt
es geht wieder deutlich bergauf - Blick auf die Furt und Schreufa mit dem Fabrikgelände, Frankenberg im Hintergrund
Blick zurück von noch höherer Warte aus, oben rechts der Wildpark
durch Felder geht es dann wieder hinunter an die Eder bei Viermünden (hier gibt es einen Bahnhof, wer abkürzen möchte)
und hinter dem Ort wieder hinauf
der Herzkopf kommt ins Blickfeld
auf der rechten Seite sieht man Burg Hessenstein - da der Weg zwischen Frankenberg und Ederbringhausen nicht besonders attraktiv ist, wäre eine sinnvolle Überlegung, von Frankenberg statt dessen zur Burg Hessenstein zu wandern (ca. 12 km, genauso weit wie nach Ederbringhausen, aber dann spart man sich den steilen Aufstieg von Ederbringhausen hinauf und kann eben auf einem schönen Waldweg von Burg Hessenstein Richtung Keseburg wandern; Burg Hessenstein ist eine Jugendherberge und böte sich auch als Übernachtungsmöglichkeit an)
kurz vor dem Abstieg nach Ederbringhausen
ich hab´s riskiert - aber der ufernahe Weg ist nur noch ein Swimmingpool für Nilgänse, also ein Stück zurück, die Bahnlinie überquert und auf dem Radweg weiter
am Bahnhof in Ederbringhausen gehe ich noch mal in mich, ob ich die knapp 7 km bis Schmittlotheim Bahnhof noch gehen möchte
der Proteinriegel täuschte vor, dass er Kraft gäbe, und es ist ein schöner Tag...also weiter geht´s
hier, gut zehn Minuten später, wäre natürlich ein schönerer Rastplatz gewesen, um Kraft für den nun folgenden steilen Aufstieg zu schöpfen
ein steiler Aufstieg ist umso schlimmer, wenn man ihn schon mal (auf dem Barbarossaweg) gegangen ist, und weiß, was ansteht :-)
puh, geschafft, ich stehe auf dem schönen Weg, der von der Burg Hessenstein kommt
der urwaldartige Steig, der zu den vermutlich unspektakulären Resten von der Keseburg (ich konnte nämlich von unten nichts erkennnen) führt, war zum Glück geperrt, so mußte ich mich nach gut 26 km nicht auch noch entscheiden, ob ich mir das noch hätte antun wollen
endlich stapfe ich auf Schmittlotheim zu - dann doch in etwas zügigeren Tempo, weil der Zug zwanzig Minuten früher kommt, als ich im Kopf hatte (gut, dass ich nochmal gecheckt hatte)
ein letztes Mal über die Eder (der Bahnhof liegt ca. 700 m vom Ort entfernt) und ich bin rechtzeitig vor Ankunft des Zuges da
und wieder übernachte ich im eine kurze Zugfahrt entfernten Korbach
Etappe
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